Mitarbeiterkommunikation, quo vadis?

Unternehmenskommunikation ist in diesen Tagen Krisenkommunikation – wenn sie denn stattfindet. Dass wir, in diesem Fall die ganze Welt, in einer Krise unbekannten Ausmaßes stecken, werden nur wenige in Frage stellen. Dennoch meinen Krisenmanager oder CEOs auch jetzt, ihrer Belegschaft wie üblich nur Standortbeschreibung und Wegweisung zu sicheren Ufern schuldig zu sein. Aber die Corona-Krise schlägt auf so multiple Weise zu, dass niemand weitgehende Orientierung zu geben vermag. Das „sichere Ufer“ ist nicht einmal erahnbar. Was tun? Viele Manager berufen sich auf die Informationen des Robert-Koch-Instituts oder entsprechende Verhaltensregeln von Bundes- oder Landesregierung. Aber mit dem Verzicht auf persönliche Stellungnahmen bleiben sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Antwort auf die Frage Und was bedeutet das für uns? schuldig. Es genügt nicht, Wissenschaft und Politik oder Verwaltung zu zitieren. Gewinnende Krisenkommunikation macht deutlich, was die Situation „für uns“, „für unser Unternehmen“ bedeutet und was „wir daraus machen müssen oder können“.
Wohl noch niemals in jüngerer Zeit waren Prognosen jeglicher Couleur so verfallsgefährdet wie in diesen Tagen. Im Grunde bleibt nur eine Option: wenn im dichten Nebel bestenfalls kurzfristige Konturen der nächsten Zukunfterkennbar sind, muss man auf Sicht fahren – und darüber mit seiner Mannschaft sprechen oder sie wenigstens – kurzfristig und häufig – über die Nebelsituation informieren.
Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob man aufgrund der Undeutbarkeit der Situation auf situationsspezifische Kommunikation verzichtet oder ob man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darüber informiert, dass man über kein belastbares Wissen verfügt. Der zweite Fall ist unbefriedigend, macht aber den Mitarbeitern deutlich, dass sie nicht von dem „oben“ vermeintlich oder tatsächlich vorhandenen Wissen ferngehalten werden, sondern dass alle gemeinsam im Ungewissen stochern. Die Unsicherheit bleibt, aber es ist wenigstens eine gemeinsame, idealerweise Gemeinschaft stiftende Unsicherheit.
Gibt es aber keine zeitnahe, die spezifische Unternehmenssituation ansprechende Kommunikation aus dem Management, so führt dies immer zum kompensierenden Anwachsen des Flurfunks. Hat diese spezifische Gerüchteküche, angereichert mit fragwürdigen „Fakten“ aus den sozialen Medien erst einmal ihre Arbeit begonnen, ist das unselige Folgegeschwätz kaum noch durch offizielle Kommunikation einzudämmen.
Die Verantwortlichen sollten lieber täglich Ihren minimalen Wissensstand mit der Belegschaft teilen und Verhaltensempfehlungen oder -regeln auch kurzfristig abändern, als dem Beelzebub Flurfunk Tür und Tor zu öffnen.

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